Erdwärmeheizung: Verbrauchsbeispiel

Am Wochenende wurde ich gefragt: „Na, was hast du jetzt in den kalten Monaten an Strom für deine Heizung gebraucht?“. So aus dem stehgreif konnte ich das nicht beantworten. Ich schreibe zwar die Zahlen der Zähler regelmäßig auf, aber auswendig hab ich das nicht im Kopf. Geplant ist zwar die ganzen Zähler im Zuge der Hausautomation automatisch auszuwerten und zu visualisieren, aber so weit bin ich noch nicht.

Bevor ich zu den Zahlen komme eins vorweg: Heizungen sind sehr individuell und lassen sich von Haus zu Haus nur schwer vergleichen. Der eine braucht mehr Warmwasser weil er per se länger duscht, der andere hat es in seinen Räumen gerne 1°C weniger warm als andere und der nächste hat noch die Geschirrspülmaschine und Waschmaschine am Warmwasser hängen (weil Warmwasseranschluss-taugliche Geräte). Und wiederum der nächste Heizt mit einem Holzofen noch ein wenig „für die gemütliche Kaminatmosphäre im Wohnzimmer“. Deshalb ist ein Vergleich äußerst schwer.

Die passenden Gerätschaften vorausgesetzt, kann man doch Vergleiche hinsichtlich der unterschiedlichen Heizungsarten anstellen: Wenn man die eingesetzte Energie mit der gewonnenen Energie ins Verhältnis setzt, dann hat man einen guten Vergleichswert für die Effizienz der Anlage. Aber jetzt hab ich genug geschwafelt, hier kommen die Zahlen:

Ich nehme hier exemplarisch den Monat Februar 2015.

Laut Stromzähler (dediziert für die Heizungsanlage), haben wir hier 368kWh an Strom bezogen. Darin enthalten ist nicht nur der Verdichter der Wärmepumpe, sondern alle Aggregate und Pumpen die an der Heizung angeschlossen sind. Lediglich die thermoelektrischen Stellventile für die Fußbodenheizung hängen hier nicht mit dran und bleiben in diesem Beispiel unberücksichtigt.

Aus den eingesetzten 368kWh Strom hat unsere Heizungsanlage 1243kWh Wärme für die Heizung und 454kWh in Warmwasser umgesetzt. Macht zusammen 1697kWh.

Die Steuerung der Heizung liefert noch eine weitere Zahl. Diese nennt sich „Umweltenergie“ und lag für diesen Zeitraum bei 1389kWh. Umweltenergie ist die Energie, die aus der Umwelt gewonnen wurde. In unserem Fall dank Erdwärmebohrung aus dem Erdreich. Eigentlich müsste „Erzeugte Wärmemenge“ – „Umweltenergie“ = „Strombedarf“ ergeben. Aber aufrund von Messungenauigkeiten und der zusätzlichen Pumpen um die Anlage drum herum, passt das nicht 100% zusammen:

1697kWh – 1389kWh = 308kWh theoretischer Strombedarf.

Tatsächlich ist es, wie schon erwähnt, wegen der Pumpen „drum herum“ ein wenig mehr.

Aus 368kWh eingesetztem Strom und 1697kWh erzeugter Wärme ergibt sich folgende Gesamt-Leistungszahl:

1697kWh / 368kWh = 4,61 COP (Coefficient of Performance)

D.h. aus 1kWh Strom macht unsere Anlage 4,61kWh Wärme.

COP liest man auch häufig in den Datenblättern der Wärmepumpenhersteller. Doch dieser basiert auf der Wärmepumpe alleine, ohne zusätzliche Aggregate oder Pumpen. Diese Angaben sind mit Vorsicht zu genießen. Was zählt ist das, was die Anlage tatsächlich braucht und leistet. Das ist ein wenig wie mit der Spritverbauchsangabe der Autohersteller. Zwischen dem was die schreiben und dem was das Auto tatsächlich bei der eigenen Fahrweise braucht, ist meist ein gehöriger Unterschied.

Unsere Wärmepumpe hat laut Datenblatt einen COP von 4,8 bei B0/W35. Die tatsächlichen 4,61 sind also sehr nah am theoretischen Wert. Ich kann mich also nicht beklagen. Und es ist zu erwarten, dass dieser Wert das Jahr über gleich bleibt. Denn die Wärme in 140m tiefe variiert Sommer zu Winter nicht wirklich.

Aus den bisherigen Aufzeichnungen lasst sich nur schwer ableiten was wir wohl im Jahr für Stromkosten haben werden. Zum einen war der vergangene Winter kein wirklicher Winter (viel zu mild und wechselhaft) und zum anderen hab ich noch kein Plan wie sich die Sommermonate ohne Heizung und mit weniger heißen Duschen verhalten.

5 Gedanken zu „Erdwärmeheizung: Verbrauchsbeispiel

  1. Hallo.

    Vielen Dank für deinen informativen Blog, ich finde deine Beiträge sehr gelungen. Wir wollen 2016 ebenfalls bauen, ein KFW 70 Haus mit Erwärmeheizung. Nun rät uns unser Fachplaner aber plötzlich zu einem bivalenten Heizbetrieb mit Nano-Bhkw oder Gastherme aufgrund seiner Meinung nach enormen Stromkosten für Warmwasserbereitung. Wie habt ihr das gelöst, heizt ihr noch zu oder verlasst ihr euch einzig auf die Wärmepumpe und deren Heizstab?

    Mfg, Karsten

    • Hallo Karsten,

      frag doch mal deinen Fachplaner wieviele Erdwärmeanlagen er schon geplant/installiert hat? Und dann wieviele BHKW und Gasthermen…

      Fakt ist: Eine gut geplante Erdwärmeanlage kommt exzellent im Monovalenten Betrieb klar. Wir haben den Heizstab im Warmwasserspeicher und Heizungspuffer nur falls die Wärmepumpe mal ausfällt. Im alltäglichen Betrieb läuft da alles ausnahmslos über die WP.
      Und das ist nicht nur bei uns so, sondern bei meinen Eltern ebenso.
      Wenn du noch 4 Wochen wartest dann ppate ich hier die erste Jahresbilanz mit allen Zahlen.
      Wenn du noch Tipps brauchst bzgl. Erdwärme dann meld dich einfach nochmal.

      Gruß Alex

  2. Hallo Alex,

    vielen Dank für deine prompte Antwort. Kannst du bitte noch mal genau ausführen wie deine Anlage aufgebaut ist, auch gerne an meine E-Mail Adresse privat, wenn du Lust und Zeit hast.

    Danke,
    Karsten

  3. Pingback: Aufbau einer Erdwärmeanlage | Ein Heim für 3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.